Manifest & Regelwerk

„Es braucht gar nicht viel – manchmal einfach nur Gehaltensein.“ – O-Ton

Kuscheln nach Regeln? Warum, wieso, weshalb?

Ist Kuscheln nicht eigentlich einfach eine Begegnung zwischen zwei Menschen? Berührungen, die im Moment entstehen und direkt und frei aus dem Herzen fließen? Warum also Regeln? 
Weil es für diesen freien Fluss Sicherheit braucht. KuschelBuddys kennen sich beim ersten Treffen noch nicht sehr gut. Sie haben gechattet, telefoniert. Sie blicken noch nicht auf eine gemeinsame Historie zurück, wissen noch nicht, wie der andere „tickt“. Vertrauen und Vertrautheit müssen erst entstehen und wachsen. Die Regeln bilden dafür den Boden, indem sie Sicherheit geben. Sie schaffen einen Rahmen und setzen die Parameter fest, innerhalb derer man sich frei entfalten kann. Sie schaffen eine Übereinkunft, die nicht verhandelt werden muss. 
Natürlich könnt ihr sie anpassen, erweitern, verändern, weglassen. In dem Fall sind unsere Regeln ein Ausgangspunkt für eure klare offene Kommunikation. Trefft bewusste Entscheidungen darüber, welche Erfahrung ihr euch wünscht und wie ihre eure Kuschelbegegnung gestalten möchtet. 
Unsere Empfehlung ist, sie beizubehalten, denn wir haben mit ihnen sehr gute Erfahrungen gemacht.

„Die größte Freiheit für ein Wesen ist es keine Angst zu haben.“ – Maja Nowak

Das Manifest der KuschelBuddys

Ich habe die Informationen und Regeln aufmerksam gelesen und verstanden.

Ich bin mit jeder einzelnen Regel einverstanden und werde mich daran halten.

Ich stimme den Sicherheitsmaßnahmen (siehe AGB) zu, da diese Sicherheit für alle Mitglieder bedeuten, und sorge auch für meine eigene Sicherheit.

Ich bin für mein Handeln und meine Erfahrungen verantwortlich.

Ich achte meine Grenzen und respektiere die Grenzen meiner KuschelBuddys – ohne Wenn und Aber.

Ich bin achtsam, respektvoll und wertschätzend im Umgang mit jedem*r.

Ich suche hier ausschließlich einen oder mehrere KuschelBuddys. Ich bin mir darüber bewusst, dass dies keine Dating-Website ist.

Lieber Kuschelbuddy,

Ich werde dich achten und respektieren.

Ich verspreche dir, ehrlich und direkt mit dir zu sein.

Ich verpflichte mich, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen.

Ich werde das, was du mir von dir mitteilst, vertraulich behandeln und nicht darüber mit anderen sprechen.

Ich werde dir zuhören.

Ich werde nicht versuchen, dich zu retten oder dich mit Ratschlägen zu überschütten.

Ich werde deine liebevolle Zuwendung nicht ausnutzen.

Ich werde dir in Offenheit und Dankbarkeit begegnen.

Ich danke dir aus vollem Herzen.

Unser Regelwerk

Die Regeln sind für das erste Treffen verbindlich und können später von euch in gegenseitigem Einvernehmen angepasst werden. Kommuniziert diese Änderungen verbal und offen miteinander.
Unsere Empfehlung ist, diese Regeln über einen längeren Zeitraum, auch über das erste Treffen hinaus beizubehalten.

  • Alles! ist freiwillig!
  • Nichts geschieht ohne Consent/Zustimmung/allseitigem Einvernehmen.
  • Jedes Mitglied ist für sich selbst verantwortlich, d. h. es kommuniziert klar und offen Wünsche und Grenzen.
  • Jedes Mitglied respektiert die Grenzen der anderen. ‚Ja‘ bedeutet ‚Ja‘ und ‚Nein‘ bedeutet ‚Nein‘.
  • Du fragst um Erlaubnis und bekommst ein verbales ‘Ja’ bevor du jemanden berührst. Sei so genau wie möglich in deiner Anfrage. Bekommst du ein Nein findet die Berührung nicht statt.
  • Ihr könnt jederzeit eure Meinung ändern – zu allem. 
  • Alle Beteiligten wissen und stimmen zu, dass die Kuschelbegegnung nicht sexuell intendierten Handlungen dient. Dazu gehören Berührungen der Bikinizone, küssen und sexuell eindeutige Bewegungen. Alle Beteiligten bleiben vollständig angezogen. Die Hände verbleiben die gesamte Zeit über der Kleidung.
  • Das Kuscheln geschieht ohne jede Gegenleistung. Es werden keine kommerziellen Angebote gepostet oder gemacht.
  • Dies ist keine Dating-Seite. Lasst Hoffnungen und Wünsche dieser Art außen vor, nur dann kann die Kuschelphilosophie in ihrer Tiefe gelebt werden, und es ist für alle entspannter.
  • Alle Beteiligten haben ein Mindestalter von 18 Jahren.
  • Alle Beteiligten sind gesund und haben keine ansteckenden Krankheiten (Erkältung o. ä.). In Zeiten von Corona sprecht vorher ganz offen ab, ob ihr mit MNS kuscheln möchtet. (s. auch CoronaKnigge)
  • Alle gegebenen Informationen (schriftlich oder mündlich) werden vertraulich behandelt.
  • Fotos und andere Formen der Aufzeichnung sind nur nach allseitigem ausdrücklichem Einverständnis erlaubt.

Warum alles erfragen?
Weil ihr nicht wissen könnt, was die andere Person sich wirklich wünscht oder was ihr gefällt, ob ihr die empfangene Berührung noch angenehm ist oder nicht. Die Körpersprache kann täuschen oder missinterpretiert werden. Durch das Fragen ist Achtsamkeit im Raum und die Aufmerksamkeit wird immer wieder darauf gerichtet, was gerade geschieht. Ihr lernt euch kennen, nicht nur gegenseitig, sondern auch euch selbst. Ihr macht die Erfahrung, dass euer Nein zählt, dass ihr nicht einfach so angefasst werdet. Eure Wünschen und Grenzen zählen und die des Gegenübers auch.

Nach dem Treffen nutzt die Möglichkeit, die Erfahrung zu bewerten. Auf dem Profil eures KuschelBuddys findet ihr diese Funktion, die aus einer offen sichtbaren und einer internen Bewertung besteht.
Bewertungen schaffen Transparenz und Transparenz bringt Sicherheit für alle KuschelBuddys.

Die sechs Tugenden eines KuschelBuddys

Eine Tugend ist eine moralisch gute Eigenschaft, bzw. moralisch vorbildliches Verhalten.
Für KuschelBuddys stehen vor allem die folgenden im Vordergrund:

Berührung wirklich genießen können.
Warum ist das eine Tugend und nicht immanent, wenn man sich dafür entschieden hat, ein KuschelBuddy zu ein?
Diese Tugend meint den Genuss in beide Richtungen, sowohl beim Geben als auch beim Empfangen von Berührung – und das können tatsächlich nicht viele Menschen.
Im Geben fühlen sich die meisten noch am ehesten zu Hause. Sie haben die Kontrolle, sie tun einem anderen etwas Gutes und werden gebraucht.
Zu empfangen ist für viele die eigentliche Herausforderung. Sie fühlen Scham, weil sie sich bedürftig fühlen. Sie fühlen sich schuldig, weil jemand etwas für sie tut. Sie fühlen die Verpflichtung des Zurück-Gebens schon während des Empfangens und entspannen sich deshalb nicht. Doch so kann das Geschenk der Berührung gar nicht einsinken, kann gar nicht tief empfunden und in Dankbarkeit gefühlt werden.
Ein KuschelBuddy kann beides – oder beginnt, beides zu üben: Zu genießen, wenn er schenkt und zu genießen, wenn er beschenkt wird.

Die Balance zwischen Empathie und Verantwortung.
Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden. Lass dich ein und sei achtsam im wahrsten Sinne des Wortes: Achte auf deine KuschelBuddys.
Übernimm jedoch keine Verantwortung für sie und triff keine Annahmen über deren Gemütszustand, denn du kannst nicht in ihre Köpfe schauen und wissen wie es ihnen geht. Aber du kannst Körpersprache und Mimik wahrnehmen und deuten. Will die Person eher Nähe oder Distanz? Ist sie unruhig oder ruhig? Fließt der Atem entspannt oder wird immer wieder die Luft angehalten? Ist der Körper angespannt oder entspannt? Das alles sind Informationen. Nimm deine Schlussfolgerungen, Interpretation und daraus folgende Annahmen nicht als ultimative Wahrheit an, sondern frage nach: „Stimmt noch alles für dich? Wollen wir eine Pause machen, um neu reinzuspüren?“ „Wie geht es dir gerade?“
Die Balance zwischen Empathie und Verantwortung ist nicht einfach: Seid einfühlsam, achtet aufeinander und übernehmt nur Verantwortung für euch selbst.

Zuhören können. Schweigen können.
Kuscheln kann uns tief berühren, Erinnerungen wach rufen, Erkenntnisse bringen und dann muss es einfach raus. Reden befreit. Wunderbar. Lass es zu. Doch achte darauf, deine KuschelBuddys nicht zu benutzen, und frage nach, ob dein Teilen in Ordnung ist. Nutze nicht die gesamte Zeit für dich und deine Geschichten, sondern lasse deinen KuschelBuddys Raum. Möchten sie etwas teilen, schenke ihnen Aufmerksamkeit in Form von Zuhören. Einfach nur Zuhören.
Und wenn es dir zu viel wird, sorge für dich und bitte um eine Redepause, um gemeinsames Schweigen, um Ruhe.
Gehört werden ist ein großes Geschenk, aber das steht bei den KuschelBuddys nicht im Vordergrund sondern berührt und gefühlt werden. Lasst eure Körper sprechen. Ihr trefft euch für den Austausch von Berührungen.

Ehrlich sein und sich zeigen.
… erfordert großen Mut. Es ist der Mut, sich zuzumuten. Der Mut, sich zu zeigen mit allen Wünschen, Vorstellungen, Erwartungen, Ängsten, Bedenken und Grenzen. Ehrlich, offen und respektvoll zu kommunizieren, was gerade deine Wahrheit ist. Und wenn sie sich geändert hat, dies zu kommunizieren.
Sei auch ehrlich mit dir selbst: Machst du gerade, was du möchtest, und fühlst dich wohl? Stimmt noch alles für dich?
Brauchst du etwas vom anderen, z.B. dass er die Heizung anmacht, dass er ein Minzbonbon lutscht, dass er die Musik ausmacht oder einfach schweigt.
Je eher du es ansprichst, desto weniger ist es mit Emotionen aufgeladen (Der/die muss das doch merken!) und desto klarer kannst du es kommunizieren. Und je klarer du in deinen Äußerungen bist, desto einfacher ist es für dein Gegenüber, deine Wünsche zu hören und anzunehmen.

In Absichtslosigkeit und Planlosigkeit sein.
Ganz absichtslos bist du nicht, denn offensichtlich möchtest du ja kuscheln.
ABER gehe ohne Plan in die Begegnung, ohne fixen Ablauf, ohne Ergebnis im Kopf, ohne Ziele, die es zu erreichen gilt. Kuscheln ist das Ziel. Gemeinsam erfindet und erlebt ihr dann eure Begegnung von Moment zu Moment. Lasst euch treiben. Die Begegnung entfaltet sich im Zusammenspiel.
Beobachten, kommunizieren, fühlen, nachfragen, spüren.

Absichtslosigkeit und Planlosigkeit bedeuten auch keinerlei Erwartungen und Hoffnungen in Richtung sexuellen Kontakt oder Partnerschaft zu haben. Mache dich frei davon und dann genieße, was da ist. Das ist unfassbar viel und wertvoll.

Respektvoller Umgang und Consent/Konsens.
Respektvoller Umgang heißt, andere mit ihren Wünschen und Grenzen zu akzeptieren und zu achten. Überzeuge nicht, überrede nicht, manipuliere nicht, versuche nicht, jemanden umzustimmen. Lasse dem anderen Zeit und lasse dir selbst auch Zeit. Bist du gerade genau da, wo du wirklich sein willst? Tust du gerade genau das, was du wirklich tun möchtest? Hältst du etwas aus, um jemandem zu gefallen oder jemanden nicht zu verletzen? Hast du wirklich Lust auf das, was gerade passiert? Wenn du eine Frage davon mit Nein beantwortest, übernimm Verantwortung für dich selbst und ändere etwas.
Nichts geschieht ohne allseitigem Einvernehmen. Nichts! Außerhalb dieses Einvernehmens ist es Missbrauch und Stehlen: Der Missbrauch eines Körpers, der Missbrauch von Vertrauen, das Stehlen von Aufmerksamkeit und Energie.
Hole dir die Zustimmung ein. Und wenn jemand dir gegenüber eine Grenze setzt, sage „Danke“. Es war mutig, sie auszusprechen und sich damit zu zeigen.
Wenn etwas passiert, zu dem du nicht zugestimmt hast, dann sprich es an. Gleich!
Jedes Bedürfnis ist wichtig und richtig. Jede Grenze und jeder Wunsch ist wichtig.
Jeder ist für sich selbst und sein Handeln verantwortlich.