Kuscheln können wir prinzipiell mit jedem anderen Menschen, da unsere Körper nicht darin unterscheiden, von wem sie die Berührung empfangen. Sie können zwischen guter beziehungsweise angenehmer und weniger guter beziehungsweise unangenehmer Berührung unterscheiden. Sie fühlen die (verborgenen) Absichten und nehmen die Intention hinter der Berührung wahr, reagieren mit Zu- oder Abwendung, mit An- oder Entspannung. Aber von wem die Berührung empfangen wird, ist für unsere Körper unerheblich.

Doch natürlich sind wir mehr als reine Körper. Wir sind uns unser selbst bewusst, wir haben Erfahrungen gemacht, können uns an Vergangenes erinnern und daraus Schlussfolgerungen für eine eventuell eintretende Zukunft ziehen. Wir sind eingebunden in einen bestimmten Kulturkreis und geprägt von einem kollektiven Verständnis darüber, was richtig und falsch ist. Dies, unsere Erziehung und die Art und Weise, wie wir aufgewachsen sind, legen also den Grundstein dafür, was wir als angemessen und angenehm empfinden und was nicht.
Kuscheln wir, kommen wir uns sehr nah. Körperliche Nähe wird als Intimität empfunden und diese wird erfahrungsgemäß eher mit Familienmitgliedern und sehr nahestehenden Personen geteilt als mit Fremden. Die Vertrautheit und das gewachsene Vertrauen in Beziehungen und die daraus resultierende Offenheit füreinander spielen eine große Rolle wie das Erlebte eingeordnet und empfunden wird. Es ist also nur natürlich, dass sich Berührungen von unserem*r Liebsten schöner anfühlen als die eines*r Fremden. Und so gibt es für uns durchaus einen erheblichen Unterschied darin, ob die Berührung von einem*r Fremden, einem*r Freund*in, einem*r Liebespartner*in oder einem Familienmitglied kommt.

Kuscheln mit Fremden

Sich auf Berührung mit Fremden einzulassen, erfordert die Fähigkeit zu vertrauen und offen zu sein für die Möglichkeit, einer angenehmen Erfahrung.
Und dies kann man, wie alle Fähigkeiten, erlernen und erweitern. Es lohnt sich. Das Geschenk ist die Möglichkeit, jederzeit und überall Berührung erfahren zu können und unabhängiger von den Liebsten zu sein. Dadurch entsteht Leichtigkeit und Freiheit im Beziehungsgeflecht mit den Angehörigen und Freund*innen. Die Abhängigkeit sinkt, die Bedürftigkeit Berührung betreffend vermindert sich und mit ihr der Druck der erwarteten und vollständigen Bedürfnisbefriedigung, der auf Beziehungen lasten kann.
(Mit der Fähigkeit zu vertrauen ist nicht blindes Vertrauen gemeint im Sinne von Naivität und über die eigenen Grenzen gehen, weil man den anderen nicht verletzen möchte. Hier geht es um ein Ja, das aus dem Bauch heraus kommt, welches der Körper selbst gibt. Hat der Körper dieses Ja, wird es eine schöne Berührungserfahrung.)
Manchmal tritt es sogar ein, dass Berührungen mit Menschen, mit denen wir keine Historie haben, keine (Vor-)Geschichte teilen und an die wir keine Erwartungen richten, sich schöner anfühlen als mit Menschen, die wir (gut) kennen. Gerade weil das Erleben neu und unbelastet ist.

Fazit: Unser Körper macht keinen Unterschied per se, bezieht sich aber dennoch auf gemachte Erfahrungen und ordnet Berührungen dahingehend ein. Das heißt aber auch, dass neue positiv eingeordnete Erfahrungen dazu führen, dass wir uns mehr und mehr auf Nähe mit Fremden einlassen können und lernen können, Berührungen von Fremden zu genießen. 
Kuscheln mit Fremden lohnt sich. Nicht nur körperlich, sondern auch für Geist, Körper und Herz.

Das schönste Geschenk: Wenn beide Körper einfach „miteinander klicken“ und es sich leicht, frei und schön anfühlt. Dieses Geschenk zu erleben, ist erlernbar. Indem man sich mit dem Thema achtsame Berührung auseinandersetzt, wirklichen Respekt und Wertschätzung für sein Gegenüber entwickelt und fühlt und wache oder erweckte Hände hat. Was heißt das, erweckte Hände? Erweckte Hände sind Hände, die frei von Gier und voller Achtsamkeit berühren können, die freigiebig schenken, die nicht mehr wollen, die einfach zufrieden sind, mit dem Geschenk, jemand anderen berühren zu dürfen.