„Das Bedürfnis nach Berührung: Wie die Luft zum Atmen. Viele Menschen haben kaum Körperkontakt – dabei würden sie gern mal wieder in den Arm genommen werden. Gute Idee. Berührungen können eine Menge bewirken. “ – schreibt Die Zeit

Berührungsarmut ist ein Phänomen, das leider immer mehr um sich greift. Wir berühren uns seltener und weniger. Sei es aus Angst davor, übergriffig zu wirken oder weil uns die Nähe zu Menschen immer suspekter, vielleicht sogar unangenehmer wird – es geschieht. Virtuell fühlen sich viele Menschen sicherer, was aber fehlt ist der tatsächliche Kontakt. Mensch zu Mensch. Auge in Auge. Haut an Haut. Es gibt mittlerweile viele Theorien über das Warum und Woher von Berührungsarmut und zum Glück auch immer mehr Studien zu diesem Thema, so zum Beispiel Studien über die schädlichen Folgen von Berührungsmangel und auch über die vielen positiven Effekte, sowie Studien, die belegen, dass eine Notwendigkeit besteht, Berührung zu erleben.
So ist Berührung die erste Bedingung, die erfüllt sein muss, damit ein Baby überlebt und Wachstum überhaupt stattfinden kann, sonst schaltet sich der Körper nach und nach ab. Diese Erkenntnis entstand bei der Beobachtung und der Erforschung anderer Säugetiere und leitet sich aus schrecklichen Experimenten ab. Fehlt Berührung, ruft das immensen physiologischen und emotionalen Stress hervor und kann sogar zum Tod führen. (Rattenjunge, die isoliert werden und denen dadurch das Ablecken durch die Mutter, die Fellpflege fehlt, sterben. Wird nur eine Komponente im Experiment geändert – die Rattenjungen werden regelmäßig mit einem feuchten Pinsel „abgeleckt“ – überleben sie.)

Es wird immer offensichtlicher: Berührung ist lebensnotwendig und die Kehrtwende hin zu mehr Berührung hat schon begonnen. Mehr und mehr Menschen haben sich von Facebook und anderen sozialen Netzwerken distanziert, die Wellness- und Massagebranche boomt. Zumindest vor Corona war dies der Fall. Doch was wir jetzt durch Corona und die erzwungene soziale Distanzierung und Isolierung erleben, lässt das Bewusstsein dafür noch weiter wachsen, wie immens wichtig Berührung für uns alle ist.

Die Folgen von Berührungsarmut sind u. a. Einsamkeit und Stress. Deren Auswirkungen sind gravierend, wie du in weiteren Artikeln lesen kannst.

Hand

Berührungsarmut kann man nur mit Berührung begegnen. Ein Gespräch kann hilfreich und unterstützend sein. Es schenkt Aufmerksamkeit und das Gefühl, zumindest gehört und gesehen zu werden. Jedoch ist es zu fühlen und gefühlt zu werden, was wirkliche und nachhaltige Erleichterung und Heilung mit sich bringt. Der Körper muss, nicht nur vom Kopf her, verstehen, dass er verbunden ist, er muss es begreifen. Dafür reichen Worte nicht aus. Dafür braucht es Kontakt. Wirklichen echten Kontakt.